Schwarzes Meer und langes Bangen, schwarze Erde hält uns gefangen -Tag 4 bis 8

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Haben uns lange nicht gemeldet, weil wir bis jetzt kein zuverlässiges Internet hatte, dafür melden wir uns heute mit einem umso längeren Blogeintrag zurück. In den letzten Tagen ist uns so einiges passiert:

Die Münze hat entschieden (kein Witz). Es geht über Odessa nach Russland weiter.

Einer arbeitet, zwei passen auf

Wenn wir einen Spruch aus der Karpatenparty mitgenommen haben, dann den von Borris: „Hier sagt man: Einer arbeitet und vier schauen zu!“ Okay, soweit haben wir das auch beobachtet, aber eigentlich trifft es auch auf unsere Rallye zu, denn zwei von uns schauen immer zu. Aber umso mehr können die dann erzählen. Unser Weg durch die Karpaten hinter Viseu de Sus führte uns über malerische Serpentinen und Nadelwälder bis zur Baumgrenze 1,400 Metern Höhe. Es ist überwältigend einen so großen Baumbestand vor sich in einem Steilhang aufragen zu sehen. Das Grün der Bäume verwischt jedoch im Vorbeiziehen.

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Probleme lassen nicht auf sich warten

Die Straße wird abenteuerlicher. Schlaglöcher und abbröckelnde Straßenränder sind un unsere ständigen garstigen Begleiter. Doch viel schlimmer: Wir bemerken Benzingeruch. Und da wir das einzige Auto weit und breit sind, kommt dieser Geruch von uns. Das ist schlecht, kann sogar sehr schlecht sein. Wir schauen bei einer Rast unter das Auto und finden einen kleinen Fleck Benzin. Sofort entschließen wir uns für den Rückweg zum letzten Ort. Und suchen eine Werkstatt auf…

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Die Diagnose lautet: Euer Einfüllstutzen in den Tank hat einen Riss. Fuck, denken wir. Aber der rumänische Werkstattdude versichert uns, dass das Problem nur ein Problem für die Umwelt ist und nicht für uns, solange wir nicht bei vollem Tank neben dem Auto rauchen. Machen wir eh nicht. Vorbildlich. Eins, setzen. Also fahren wir wieder den Berg hinauf. Und werden mit schönen Panoramen belohnt.

Die Straße enthüllt uns immer wieder neue Orte und Kleinod schmiegt sich an natürliches Kleinod, auch wenn die Gegend uns ihre armen Seiten zeigt (Holzhütten, deren Wände aus Plastikfolie bestehen) zeigt.

Die Provinz Bukovina, die hinter den zwei passierten Pässen liegt liegt im warmen  orangen Abendlicht und wir beenden den Tag in Roman.

Grenzen verstehen lernen

Der nächste Tag beginnt für Studenten früh um 6. Aber wir sind schnell auf der Bahn und machen am Vormittag „gut Strecke“ wie Thomas nicht müde wird zu betonen. Stimmt auch.  Die Strecke bis in an die Grenze zu Moldawien in der Nähe der Stadt Galati ist gut ausgebaut. Und wir ziehen zügig durchs Land. Thomas fährt mittlerweile rumänisch. Denkt euch euren Teil 😉

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Hinter Galati fahren wir in moldawische Niemandsland. Wir bilden uns eine  andere Grundstimmung ein, obwohl die Landschaft nur unwesentlich wechselt, aber alles wirkt irgendwie… wild…und…mafiös. Ich glaube wir bestätigen nur unsere Klischees. Das will mir zumindest mein Kopf sagen, damit das Magengrummeln aufhört in unserer ersten richtigen Grenzsituation. Alles davor war EU-Pillepalle. Jetzt gehts an die richtige Grenze und die trägt offen Kalaschnikow. Und das ist kein Klischee wie wir feststellen.

Rumänien/Moldawien ist für uns kein Problem, Wir müssen nur warten: Der Hammer des Tages entfaltet sich jedoch auf der anderen Seite Moldawien/Ukraine (Wer jetzt verwirrt ist, bitte hier auf die Karte schauen). Wir stehen lang an. Mit uns wird ein Autoritätsspielchen gespielt. Was mit uns jedoch nicht funktioniert, da wir schlicht die Sprache nicht sprechen. Doch nimmt der moldawische Grenzbeamte sich nicht nur wichtig, sondern uns auch unser Pfefferspray ab. Das sei in der Ukraine nicht erlaubt. Doch um genau zu sein, will er es nur selber haben. 8 Euro im Sand aber dafür weiterfahren ist nicht schlecht. Fahren wir also weiter.

Doch werden wir vom letzten Posten der Ukraine aufgrund eines „vergessenen“ Passierschein nicht durchgelassen und müssen uns neu anstellen. Außerdem wird uns jetzt von den Ukrainern erklärt, dass sie unser Gepäch durchsuchen werden. Toll… Aber war ja zu erwarten. Die Aktion läuft dann auch schön mit ebenjenem Pfefferspray-Zöllner ab. Der uns immer wieder barsch mit „This Bag“ und „Open“ alle Pakete öffnen lässt und alles kritisch beäugt.

Die Zöllner können ihren Augen nicht trauen als wir  vor ihnen die Spritzen und Pflaster, Kater und Musikinstrumente auspacken. Eine wilde Mischung. So ganz werden sie aus uns nicht schlau. Auch wenn einer der Zöllner Englisch spricht. Die Stimmung wechselt spätestens mit der riesigen Reiseapotheke immer mehr zwischen entspanntem Flachsen und fröstelndem Ton. Mein Hände werden feucht als ich erklären muss, was Flohsamen sind. Die Medikauf Handschuhe erregen die Aufmerksamkeit des Pfefferspray Zöllners. Mindestens zwei Minuten zieht er die schwarzen Handschuhe auseinander und zusammen. Das Wort „Seperatiski“ wird sich auffällig zugeflüstert.

Doch schlussendlich können die Jungs uns nichts. Und so passieren wir die Grenze mit neu eingepackten Paketen.

Zwei Stunden Licht im Niemandsland

Der Nachmittag hat sich in den Abend verwandelt und auf de Plan stehen noch sechzig Kilometer bis nach Ismail. Schaffbar, meinen die einen. Die anderen kennen die Straße in der Ukraine.

Der Vorhof der Hölle tut sich auf. Die Straße ist schlicht nicht mehr existent. Völlig verformt und verkeilt türmt sich der Asphalt auf manchen stellen zu halben Meter hohen Rillen und Hügeln, um im Moment in Löchern zu weichen, die ein ganzes Auto verschlucken können. Nicht übertrieben.

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Tapfer fahren wir gen Nordosten. Zickzack im Schritt bis zum ersten Dorf, welches völlig arm ist und zur Abwechslung auch noch Panzerplatten ins Spiel bringt. Verfahren haben wir uns auch schnell, da Beschilderung fehlt, doch uns wird geholfen und und…

Wir schaffen es gerade so in Ismail einzureiten. Unsere Absteige für den Tag ist aus Sowjetzeiten und die Matratze aus dem Jahr 1960. Thoas hat Angst vor Viehzeug. 50 Prozent verständlich, 50 Prozent lachen wir weg. Aber Thomas schließt am selben Abend eine seltsame Freundschaft mit einem ukrainischen Fernfahrer, der uns die Beschaffenheit bis zur Grenze nach Russland beschreibt. Bis Odessa schrecklich, dann gut, nach Kiew okay. NAJA, fast.

It´s a beautiful day

Die Straße bis Odessa stellt sich am nächsten Morgen als weiteres Martyrium für Mensch und Material heraus. Zum fröhlich flötenden „It´s a beautiful day“ fährt Ric durch die Mondlandschaft, die sie hier Bundesstraße nennen. Tapfer hält er durch.

Ric bringt das Lenkrad zum Schmelzen. Seine Hände glühen und der Schweiß tropft vom Lenkrad. Doch irgendwann riechen wir erst unser Ziel. Salzluft kommt an unsere Nase und wir können wieder beschleunigen. Da ist es: Das schwarze Meer. Es funkelt vor uns und surrealer könnte es nach dem Morgen nicht sein. Hier legen sich die Ukrainer zur verdienten Mittagsruhe in den heißen Strand und wir…fahren vorbei. Denn wir wollen Odessa besuchen und nichts hält uns auf.

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Odessa zeigt sich uns in seinem schönen Gewand. Alte Gebäude mit überhängenden Glasbalkonen, zwischendrin wuselt der Sand an den Straßenecken zusammen und die Mensche flimmern hin und her. Und was für eine schöne Frauen. Auch wenn dieser Kommentar sexistisch sein kann. Wir müssen die Schönheit der odessischen Frauen würdigen und erwähnen. (Der Absatz bringt mich in Teufels Küche)

Um weitere Komplikationen zu vermeiden erinnern wir uns daran, dass wir den kleinen Zeh in´s schwarze Meer halten wollten und so fahren wir Richtung Meer. Zumindest denken wir das. Aber letztendlich verfransen wir uns heillos. Auch hier ist Beschilderung, sagen wir, nicht existent. Ich will noch keinen böse Absicht unterstellen.

Aber wir schaffen es aus der Stadt unter Hilfe zweier Ukrainer, die uns bis zum Stadtausgang mit eigenem Auto begleiten. Einen während der Fahrt angebotenen Geldschein lehnen sie lachend ab.

Das große Land im Osten droht

Thomas versucht die verlorene Zeit auf der anschließenden A-Straße aufzuholen, doch wird von krassen Baustellen aufgehalten. Hier lässt man während Bauarbeiter den fließenden Verkehr über den groben Untergrund unter dem Asphalt fahren. Und so bricht die Nacht über uns herein und wir schaffen es wieder nur mit Ach und Krach bis in ein Hostel am Straßenrand.

Am anschließenden Morgen geht es fix am Moloch Kiew vorbei. Die Fenster schließen wir, weil der Smog zu dick zum Atmen ist. Der Nebel des Morgens vermischt sich teerig mit den Abgasen.

Dahinter warten auf Thomas 360 Kilometer harte Landstraße bis zur russischen Grenze. Diese Strecke schafft er bravouröse unter den gegebenen Umständen, doch ist es selbst bei passiver und vorsichtiger Fahrweise nicht zu Vermeiden das Gustav einiges Einstecken muss. Doch der Gute arbeitet für uns ohne Zucken.

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Es ist gegen halb vier, die russische Grenze liegt vor uns, doch ist es eigentlich zu spät. Schließlich haben wir an der letzten Grenze sehr lange gebraucht und nun die „heiße“ Grenze zwischen Ukraine und Russland? Doch wir sind dumm und stellen uns an und wir verwarten den Nachmittag, unterbrochen von sehr ulkigen Spielchen seitens der Ukrainer. „U got any tablets?“ Böser Blick ins Auto „No?!?“ Böser Blick ins Auto „Any Guns?“ „No?!??“ Noch böserer Blick (anscheinend Unverständnis). Ende vom Lied hier: Wir passieren ohne Auspacken.

Auf der russischen Seite fahren wir durch etwas was wir als Dekontaminationsbad meinen zu verstehen, um denn in der Schlange eröffnet zu bekommen, dass unser Gepäck durchsucht werden wird. Doch im Gegensatz zu den Ukrainern herrscht hier keine chaotische Willkür und Machtspielchen vor. Es gibt einen Grenzer, der Englisch spricht. Alle sind von unserer Idee fasziniert und halten uns aber für wahnsinnig.

Ich unterhalte mich mit dem Grenzer über Deep Purple (dabei habe ich keine Ahnung) und schlussendlich müssen wir unsere „schwierigen Kisten“ mit dem medizinischen Gerät nicht auspacken. Puh. Also ab zur Passkontrolle. Schließlich ist es noch hell.

Doch es kommt natürlich wie es kommen musste. Auch wenn uns der Grenzer verprach. “ For u, quick“ War es dann erst im Dunkel durch mit der Grenze.

Kursk 100 Kilometer entfernt. Ein „Verdammt“ steigt in den Himmel, doch wir beißen uns durch.

Wir wissen, dass Nachtfahrten in Russland keine gute Idee sind. Und wir werden euch auch noch ein Liedchen davon singen.

Kursker Nightlife checken

Die Straße in Russland ist gut ausgebaut und wir die Stadt rückt immer nährer. An uns fliegen nicht abblendende Autos, Autos ohne Licht, Autos mit Zusatzscheinwerfern vorbei. Und passieren ein Feldfeuer, welches an unserer linken Seite lodert.

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Wir erreichen Kursk und damit machen wir mit dem Untergang eines Nachtfahrenden Bekanntschaft: Abgetragener Untergrund bis zur Sohle, dadurch herausstehende Gullideckel, keine Beschilderung, Hunger und Kälte.

Das haben wir uns selbst eingebrockt. Und wir tingeln immer weiter auf der Suche nach einem Hotel durch das Kursker Nightlife.

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An dieser Stelle beginnt unsere eigene Dummheit Turbulenzen zu schlagen. Wir fahren in ein Einbahnstraßen falsch hinein und hinter uns, wie könnte es anders sein beobachtet uns die Polizei. Sie setzt sich vor uns und hält uns an. Die Beamten verlangen nach allen unseren Dokumenten schauen eine Weile auf diese, fragen Ric ob er wirklich nicht versteht was ein Einbahnstraßenschild heißt, dieser stellt sich dumm und auf nix Kapische. Was auch stimmt. Ich sehe uns schon im Polizeiverwahr schlafen. Jedoch fragt der zweite Beamte in welche Richtung wir ollen „Kuda tebja jest?“ Das verstehe ich doch! WORONESCH, sage ich und der Beamte versteht nicht… Bis ich das Wort richtig betone. Und dann ein erlösendes „Paschli, s nami“ Sie zeigen uns also den Weg? Wow, das lief ja besser als erwartet 😀

Außerhalb der Stadt legen wir uns im Auto zur Ruhe

Der Osten ruft

Wir wachen mit kalten Gliedern auf und wissen, dass das gestern eine scheiß Nacht, jedoch ein gutes Ende für uns war. Und so rappeln wir uns wieder auf und machen Strecke Richtung Osten. Die Straße ist uns hold und wir passieren mittags Woronesch. Auch hier ist die Beschilderung ein Graus, jedoch finden wir so das Weltkriegsdenkmal des Großen Vaterländischen Krieges und machen zwischen Kindern und Eltern ein paar absurde Bilder.

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Der Nachmittag bedeutet weitere 180 Kilometer auf der Uhr gen Osten, doch am Ende schaffen wir es locker bis nach Borisoglebsk mit einer netten Unterkunft, die wir uns redlich verdient haben.

Morgen früh geht es nach Süden nach Wolgograd und Astrachan.

Rock´n´Roll.

 

One Reply to “Schwarzes Meer und langes Bangen, schwarze Erde hält uns gefangen -Tag 4 bis 8”

  1. Der Fernfahrer hieß übrigens Sergej und kennt die A13 zwischen Dresden und Berlin 😉
    Er konnte kein deutsch und englisch und ich kein russisch. Aber die Kommunikation funktionierte mit Händen und Füßen doch ganz gut xD.

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