Säbel und Krone – Tag 9 bis 11

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Aufgewacht in Borissoglebsk. Ich habe nie vorher von dieser Stadt gehört und werde wohl von ihr nie wieder etwas hören geschweige denn sehen. Es ist die zweitgrößte Stadt des Oblast Woronesch. Doch ist sie ein sehr verschlafenes Provinznest, was seine Größe und Bedeutung nur der Lage an zwei großen Fernstraße verdankt. Doch dafür ist der zentrale Platz noch original sowjetisch. Hat auch seinen Charme. Vor Allem in den nebligen Morgenstunden…

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Bis an die Ufer der Wolga

Der Nebel klart gegen 10 auf und enthüllt uns den Anblick, den wir seit der Ankunft in der Ukraine schon gewöhnt sind: links Sonnenblumen, rechts Mais, unendliche Felder und unendlicher Himmel. Die Straße ist gut und wir kommen mächtig voran. Wolgograd kommt immer mehr in unsere Reichweite.

Den Überlandverkehr hat Ric mittlerweile richtig drauf und wir fließen durch das Land. Circa 50 Kilometer vor Wolgograd wird das Gebiet wieder hügeliger und die Vegetation verwandelt sich von einem saftigen Grün unterbrochen durch Wälder in Steppe. Immer kärglicher wird die Vegetation und das wird sich bis Astrachan fortsetzen.

Doch das ist noch nicht in unserem Blick. Viel höher ragt vor uns Wolgograd auf. In unseren Köpfen ein Ort von Geschichte und fast Mythos. Ein Ort der unendlich weit weg schien zu Anfang unserer Reise doch jetzt vor uns liegt.

Die Stadt selbst liegt in einer Biegung der Wolga und breitet sich nicht gerade vor unseren Blicken aus. Man muss dazu sagen, dass wir gelernt haben nicht durch russische Innenstädte zu fahren, weil das nicht nur viel Zeit kostet, sondern auch sehr gefährlich für den armen Gustav ist. Der übrigens immer noch schnurrt wie ein Kätzchen und wir nur aus Langeweile Öl nachschütten müssen, am Verbrauch oder Verlust liegt das mitnichten.

Wolgograd, zerstört im Krieg, zeigt uns auf der Durchfahrt seine Nachkriegs-Stalin-Architektur sehr grau und staubig. Aber trotzdem bleibt da eine Faszination des Ortes hängen. Irgendetwas ist da zu erforschen. Nur leider nicht heute für uns, denn unser Ziel liegt noch so fern.

Aber wir machen trotz dessen für uns unvergessliche Bilder. Diese markieren einen weiteren großen Stein in unserem Mosaik der Rallye.

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Ein Ritt wie ein Khan

Die Durchfahrt durch Wolgograd (Schlussendlich führte uns die Route doch durch dichten Stadtverkehr. Der Smog war eine Wonne.) kostete uns circa zwei Stunden. Gegen halb Vier aus der Stadt heraus und noch 400 Kilometer zu fahren bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 bedeutet das in der Nacht in Astrachan anzukommen. Verdammt, schon wieder.

Aber Ric legt auf den restlichen Kilometern einen Ritt hin, den ich nur mit den Reitkünsten eines Khans vergleichen kann. Mit einer Ruhe und Sicherheit führt er uns den Strom hinab. Die Straßenverhältnisse lassen viel zu. Die Wolga haben wir stets zu unserer Linken. Immer wieder schimmert sie hervor und durchquert die Steppe und nährt einen Streifen Grün, der sich jedoch sehr schnell im Gelb des Landes verliert.

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Der Tag neigt sich und die Kilometer ziehen sich immer mehr. Das Licht schwindet und der Mond begleitet uns auf den letzten einhundert Kilometern. Das Licht erstirbt schnell in dieser Gegend. Wieder eine Großstadt denken wir (Fünfhunderttausend Einwohner) und kein Licht.Wir wechseln Thomas an der Stadtgrenze ein. Ric hat wahrlich genug und ist am Ende.

Wir wackeln in die Stadt und nehmen das erste Hotel, welches wir finden. Zu dunkel ist es für weitere Experimente.

Das Schwert und die Krone am Kaspischen Meer

Wir nehmen Kontakt mit anderen Teams auf und fragen sie nach ihrem Stand. Schon in Rumänien hatten wir den Treffpunkt Astrachan in den Blick genommen. Als einen der letzten Orte vor der große kasachischen Steppe, die wir nur ungern mit einem einzelnen Auto durchqueren wollen.

Schnell finden wir heraus, dass die Teams noch in Georgien stecken und einen Grenzübergang vor sich haben. Das bedeutet für uns Warten. Mindestens einen Tag (Am Ende werden es zwei) den wir zum Durchatmen haben. Wir wechseln die Unterkunft und kommen in der Altstadt unweit des Kremls von Astrachan unter. Die Stadt ist eine wunderschöne Mischung aus verschiedensten Jahrhunderten. Den Ort für die Entspannung nach dem Ritt bis hierher konnten wir nicht besser wählen (Wir haben die „verlorene Zeit“ mit dem Umweg nach Odessa wieder herein gefahren)

Lenin ist da, Orthodoxie ist da, Wolga ist da, gutes Essen ist da und nen Wodka ist auch da. Wir rechnen die Kilometer der Motorhaube zusammen und stellen fest: Es ist Bergfest!

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5000 Kilometer haben wir jetzt auf der Uhr. Das ist schon Wahnsinn. Zur Belohnung gehen wir in die ortansässige Pivo Acedemy 😉 Der Abend wird lang und der Morgen danach etwas schwerer.

Den zweiten Tag in Astrachan verbringen wir mit Sight-Seeing und dem leichten Leben des Touristen. Astrachan erobert sich in unseren Herzen einen Platz.

Morgen brechen wir früh Richtung Kasachstan auf, die Grenzen hinter uns haben uns das Zeitlassen für die vor uns liegenden gelehrt. So wie es aussieht brauchen die anderen Teams zu lang für uns durch den Kaukasus und liegen einen weiteren Tag hinter uns. So treten wir zumindest bis nach Atyrau den Weg allein an.

 

2 Replies to “Säbel und Krone – Tag 9 bis 11”

  1. Freue mich riesig auf Euren Bericht – mach‘ JETZT Feierabend. Und lese gleich…

  2. Großartig, Danke!
    Wo habt ihr die sauberen Hemdchen her?

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